1 Tojazuru

Dissertation Zahnmedizin Berlin

Die Doktormutter oder der Doktorvater werden euch, genau wie das gewählte Thema, eine ganze Weile begleiten. Da sollte man sich vorher schon gut überlegen, was einem zusagt, denn dies ist eine schwerwiegende Entscheidung. Betreuer aus nichtklinischen Fächern wie Anatomie haben häufig den Vorteil, dass sie gut erreichbar sind und Zeit haben, sich um den Doktoranden zu kümmern. Im Gegensatz dazu sind Kliniker oft stark in den Alltag mit Patienten eingebunden, stehen im OP und das macht es nicht selten schwierig Dinge abzusprechen.

Wie ihr aus der Kommunikation mit eurem Betreuer das Beste herausholt und welche Fehler es zu vermeiden gilt, erfahrt ihr hier.

Natürlich sollte man sich aber auch mit dem Thema identifizieren können, schließlich wird man sich unter Umständen jahrelang damit beschäftigen, dutzende Quellen zum Thema wälzen und man sollte sich vorher schon im Klaren sein, dass eine Neigung zum gewählten Fach auch durchaus den Arbeitsantrieb positiv beeinflusst. Wenn ich persönlich hinter einem Thema stehe, kann ich auch in diesem Bereich besser forschen und die Doktorarbeit dann auch selbstbewusst verteidigen. Sollte man eine akademische Karriere anstreben, so ist es durchaus von Vorteil, wenn man im betreffenden Bereich schon wissenschaftlich gearbeitet hat. Auch beim späteren Kontakt mit den Patienten ist es sicher vorteilhaft für das Vertrauensverhältnis, wenn man sagen kann „Damit kenne ich mich besonders gut aus, darum ging es in meiner Doktorarbeit.“

Wichtig bei der Entscheidungsfindung ist außerdem, welche Vorgaben man von Seiten des Betreuers bekommt, also in welchem Umfang man Zeit investieren soll, wann die Arbeit fertig sein soll, in welchem Rhythmus man Bericht erstatten soll. Viele Doktormütter oder Doktorväter veranstalten regelmäßige Doktorandentreffen, auf denen man sein Fortkommen darstellt und auch von der Arbeit der anderen lernt. Man muss für sich selber abwägen, wie viel Zeit einem bleibt und ob man die gestellten Anforderungen erfüllen kann. Letztendlich gehört natürlich auch eine große Menge Glück dazu, ein interessantes Thema und einen netten, dynamischen Betreuer zu finden.


Abschreiben ist nicht gleich Abschreiben. Die einen formulieren fremdes Gedankengut um und geben es als das eigene aus. Andere übersetzen fremdsprachige Texte und verschweigen ihre Quelle. Besonders dreiste Schmalspur-Akademiker aber machen sich nicht mal diese Mühe: Sie kopieren einfach eine vorhandene Arbeit und schreiben ihren Namen darüber.

Einen derart drastischen Fall gab es an der Berliner Universitätsklinik Charité: Eine niedergelassene Ärztin formulierte nicht nur Passagen um, sondern reichte offenbar eine nahezu komplette Kopie einer zwei Jahre zuvor erschienenen Arbeit ein - beim selben Doktorvater, der schon die Quellarbeit zur gültigen Promotion gemacht hatte. Die Doktorandin fügte auf den 55 Seiten ihrer Arbeit im Fachbereich Urologie nur wenige eigene Sätze und einzelne Wörter ein. Der Rest des Textteils der Arbeit ist ein Komplettplagiat, die Quelle wird in ihrer Arbeit an keiner Stelle genannt. Copy, Paste, fertig.

Auf der letzten Seite erklärt die Promovendin, die mittlerweile in einer Berliner Gemeinschaftspraxis als Urologin arbeitet, sie habe ihre Dissertation "selbst verfasst und keine anderen als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt". Die Arbeit sei "ohne die (unzulässige) Hilfe Dritter verfasst" und enthalte "auch in Teilen keine Kopien anderer Arbeiten".

Acht von zehn Medizinern machen den "Dr. med."

Kopie und Vorlage werten einen Datensatz aus, der sich auf Operationen an der Charité in den Jahren 1999 bis 2005 bezieht. Bei Doktorarbeiten im Fach Medizin ist ein solches Vorgehen nicht ungewöhnlich, sondern gängige Praxis. Die Arbeiten entstehen oft schon während des Studiums und unter Zeitdruck. Das hat dem "Dr. med." den Ruf der akademischen Massenware eingetragen: In einem Positionspapier bemängelte der Wissenschaftsrat bereits 2011 diese Promotionspraxis. An der Masse der Promotionen hat das nichts geändert: Acht von zehn Medizinern schließen in Deutschland ihr Studium mit dem "Dr. med." ab. Die Charité ist als größte Uni-Klinik auch Deutschlands Doktormeister, mit 600 Graden im Jahr.

Pikant ist an dem aktuellen Berliner Fall auch, dass die Doktorandin wohl auch die Daten ihrer Arbeit frisiert hat. Sie gibt an, nur Daten von Patienten verwendet zu haben, die anders behandelt wurden als in der Quellarbeit. Trotzdem zeigen die Tabellen an mehreren Stellen Rechenergebnisse, die sich auch in den Tabellen der Originalarbeit finden. Rechenfehler oder Copy-Paste und erfundene Zahlen? Das wird die Prüfung der Charité ergeben, die bereits begonnen hat.

Vroniplag überprüft Hunderte Medizin-Doktorarbeiten

Der Doktorvater, heute Urologie-Professor an einer Privatklinik, hatte auf derselben Datenbasis bereits 2006 einen englischsprachigen Aufsatz verfasst. Heute kann er sich an die Berliner Doktorandin nur vage erinnern. Er habe sie gekannt und die Promotion "wohl in den Händen gehalten". Er sei aber nicht sicher, ob er die Arbeit selbst betreut habe, sagte er SPIEGEL ONLINE.

2010 habe er die Charité verlassen. Woran sich der Professor, der nicht genannt werden will, allerdings erinnert: "Wir waren eine sehr große Forschungsabteilung, sicherlich eine der besten." Über so viele Publikationen könne er nicht den Überblick haben. Die betroffene Ärztin selbst war für SPIEGEL ONLINE nicht zu sprechen.

Dokumentiert haben den Fall die Plagiatssucher der Webseite Vroniplag-Wiki. "Wir wenden zurzeit ein Verfahren an, das alle Dissertationen einer Hochschule miteinander vergleicht", sagt Plagiatsexpertin Debora Weber-Wulff, Professorin für Informatik an der Hochschule für Technik und Wissenschaft Berlin. 4000 Charité-Promotionen hat das Netzwerk laut Weber-Wulff auf seinen Rechnern gespeichert, die nun erst digital, dann händisch abgeglichen werden sollen. Eine weitere Dissertation, ebenfalls an der Charité mit dem Dr. gekrönt, enthalte auf mehr als der Hälfte der Seiten nicht kenntlich gemachtes fremdes Gedankengut. "Wir haben einige Arbeiten an der Charité als verdächtig eingestuft, nun werden sie von unserem Team in ehrenamtlicher Tätigkeit manuell überprüft", sagt Weber-Wulff.

"Wir sind dankbar für die Leistung von Vroniplag"

Der Verdacht gegen die Charité-Promotionen ist nicht der erste, dem die Vroniplag-Rechercheure nachgehen: Im Mai entdeckten die Plagiatsjäger eine auffällige Häufung von Verdachtsfällen an der medizinischen Fakultät in Münster. Auch dort scheint eine Arbeit fast komplett den Wortlaut einer anderen Dissertation bei demselben Betreuer abzubilden, die wiederum bei einer anderen abgeschrieben wurde. Die Universität Münster bildete daraufhin eine aus 14 Fachleuten zusammengesetzte Kommission, um alle neun Verdachtsfälle zu prüfen.

An der Charité heißt es, solche Fälle könne es aktuell kaum mehr geben. "Wir haben in den letzten Jahren die Promotionsordnung auseinandergerissen und neu zusammengeschraubt", sagt Radiologe Jörg-Wilhelm Oestmann, Vorsitzender der Promotionskommission. "Routinemäßig überprüfen wir jede 50. Promotion auf unsauberes Arbeiten, außerdem solche, die verdächtig wirken", sagt Oestmann.

Die meist anonymen Plagiatssucher müssen vielen Medizinern als akademische Nestbeschmutzer vorkommen, doch Oestermann nimmt sie ausdrücklich in Schutz: "Wir sind dankbar für die Leistung von Vroniplag", sagt Oestmann. "Die Plattform arbeitet an der Qualität der Wissenschaft - nichts anderes wollen wir auch." In den nächsten Tagen will er sich mit den Plagiatsforschern persönlich treffen, um zu sehen, wie sie arbeiten.

Die Berliner Urologin sei gebeten worden, ihre Daten nachzureichen, damit die Prüfungskommission ein eigenes Gutachten der Arbeit erstellen kann. Sollte die Kommission zu einem ähnlichen Schluss kommen wie die Vroniplag-Rechercheure, ist die Ärztin den Doktortitel wieder los.

Promotionsbetrug im Selbstversuch

Leave a Comment

(0 Comments)

Your email address will not be published. Required fields are marked *